A Soup of Tomatoes

Die letzten Tage haben mir deutlich gezeigt, dass mich die Korrekturarbeiten an der Scan-Fassung des Romans „Seelenlähmung“ völlig blockiert hatten. Tatsächlich hatte ich ja neben dieser Arbeit, mit der ich nach unserer Rückkehr aus den USA begann, kaum noch irgendetwas anderes geschrieben. Meine Blog-Einträge stagnierten ebenso wie meine eigenen Aufzeichnungen im Journal, das ja eigentlich ein tägliches sein soll. Von sonstiger Prosaarbeit ganz zu schweigen. Und dann, als ich vor drei Tagen das durchgesehene Manuskript endlich an den Verlag geschickt und eine Viertelstunde später mit der Verlegerin telefoniert hatte, da löste sich das. Ich fuhr direkt danach zur Massage in die Stadt, hatte dabei eine wunderbare Idee für ein Geschenk, das ich am Tag drauf mit nach Dortmund nehmen wollte und verbrachte schon die Reisezeit, die am nächsten Morgen kurz nach 8 Uhr begann, mit dem Schreiben eines neuen Erzähltextes.

Es ist die Story „A Soup of Tomatoes“, die mein erster Text für den von der Liebsten und mir gemeinsam geplanten Kurzgeschichtenband mit New York-Stories werden soll, dem wir den Arbeitstitel „57 Street Station“ gegeben haben. J. hat mir letztens bereits den Anfang ihrer ersten Story für diesen Band vorgelesen. Mein erster Text, den ich jetzt begonnen habe, erzählt von der Begegnung mit dem Schwarzen, der gegen Mitternacht vor der berühmten LOVE-Skulpture von Robert Indiana auf der Sixt Avenue saß und, sich vor und zurück wiegend, fortwährend halblaut die folgenden zwei Zeilen sang:

To masturbate is a destiny.
Do you like a soup of tomatoes?

Es ist natürlich die Geschichte einer Enttäuschung, die umso größer ist, da die Heldin der Geschichte von ihrem ersten Besuch in New York einen ganz besonderen Eindruck erwartet hat.

Dass ich plötzlich wieder frei dafür war, diese Geschichte zu beginnen, noch dazu auf einer etwas anstrengenden Zugfahrt von fünf Stunden, die mit zwei Umsteigen verbunden waren, das hat mich sehr gefreut und gezeigt, welche Kräfte durch die Korrektur gebunden worden sind.