Wann fängt das Altern an?

Ein Freund mailte mir vor einiger Zeit eine Liste von Fragen, mit denen er einzukreisen versuchte, wann das Altern beginnt. Abgesehen davon, dass die meisten dieser Fragen aus einer rein männlichen Perspektive gestellt waren, erschienen sie mir interessant durch ihr Alltäglichkeit. Auch wenn man das eigene Altern für eine große Sache halten sollte, so bemerkt man es halt an den kleinen Dingen, daran, dass etwas, das man gestern noch für selbstverständlich hielt, eben das plötzlich nicht mehr ist. Ich setze die Liste der Fragen, die er mir schickte, mal hier her:

Wann fängt das Alter an?
Gleich nach der Geburt? In der Pubertät? Beim ersten Mal? Mit dem Schulabschluss? Oder wenn ein Jüngerer mehr kann, als Du?
Wenn Dich die Kinder beim Memory besiegen?
Wenn die ersten grauen Haare auftauchen? Die Geheimratsecken den Nacken treffen?
Oder wenn ein Jüngerer den Arbeitsplatz bekommt?
Wenn Du knapp über 40 nicht mehr so gut siehst, wie früher und Dir schließlich eingestehst, dass Du eine Brille brauchst?
Wenn Mädchen Dich spüren lassen, dass Du ihnen zu alt bist?
Wenn Du einen Bauch bekommst?
Wenn Du die Rolltreppe und den Aufzug den Treppen vorziehst?

Wenn Dich beim Sport die Jüngeren überholen, Du den ersten Bänderriss, oder Bruch hast?
Wenn Du im Sportverein lieber am Tresen sitzt und Deinen Meniskus vorschiebst?
Wenn Du beim Holzhacken die dicken Kloben liegen lässt und öfter mal pausieren musst, um Dir den Schweiß abzuwischen?
Wenn Dein Zahnfleisch schwindet und die Zahnhälse bloß legt, so dass die Zähne zu wackeln anfangen?
Wenn es manchmal nicht mehr klappt im Bett?
Wenn Du anfängst bei Glätte vorsichtig zu gehen, weil Du unsicher bist und Angst vor dem Fallen hast?
Wenn Du auf dem Klo lange schüttelst und nachher sind doch Tröpfchen in der Hose?
Wenn Du Dich versprichst oder Verabredungen vergisst und nur noch gequält lächelst, wenn jemand spöttisch „Alzheimer?“ fragt?
Wenn Du ungern auf Leitern oder Stühle steigst, weil Du unsicher bist und nicht mehr schwindelfrei?
Wenn Dich Lärm stört, selbst der von Deinen Kindern?
Wenn Du beim Umzug keine schweren Kisten mehr tragen magst?
Wenn Dir die Sprudelkisten zu schwer werden und Du sie lieber ins Haus bringen lässt?
Wenn Du nur noch langsam radelst und keine Abhänge mehr hinunter jagst?
Wenn Du nachts nicht mehr Autofahren magst?
Wenn du Erotik am Liebsten verbal oder beim Anschauen genießt?
Wenn Du lieber allein zu Hause bist, statt Besuch zu haben, oder auf ein Fest zu gehen?
Wenn Du morgens am Liebsten im Bett bleiben möchtest?
Wenn der Freundeskreis wegstirbt?
Wenn Du in Erinnerungen schwelgst?
Wenn Du immer weniger Geschirr benutzt?
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So weit also seine Fragen. Mit der letzten konnte ich nichts anfangen. Immer weniger Geschirr benutzen? Was wollte er damit sagen? Am Abend rief K. an und ich erzählte ihr von diesen Fragen. Als ich an die Stelle mit dem Geschirr kam, da sagte sie spontan „Wie meine Mutter!“

Also scheinen zwei Dinge sicher zu sein. Erstens, dass man die Fragen allesamt mit einem großen JA beantworten kann. Und zweitens, dass wir es, wenn es so weit ist, schon merken werden.