Einige Notizen zu Dino Buzzati

Wiesbaden, Montag, 22. April 2013, bei Gioachino Rossinis "L' inganno felice", Liveaufnahme,
Padova 24.10.1998, des Teatro La Fenice unter Giancarlo Andretta (ein musikalisch etwas dünnes Stück).

Da ich heute auf der Seite „Aktuell“ auf die Anfang Mai in Leipzig am Theater der Jungen Welt bevorstehende Premiere meines Stückes „Das Geheimnis des Alten Waldes“ hingewiesen habe, so sollen hier noch einige persönliche Anmerkungen zu Dino Buzzati folgen, da ich denke, dass dieser Autor kaum einem gegenwärtigen Leser mehr bekannt sein dürfte. Er schrieb den Roman gleichen Titels, den ich für mein Stück als Vorlage benutzt habe.

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Ich bin glücklich, dass ich Buzzatis Bücher in relativ jungen Jahren für mich fand. Es muss so um die Zeit gewesen sein, als er starb, also Anfang der 70ger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als ich die Literatur der europäischen Phantastik für mich entdeckte. Damit ist nicht das gemeint, was heute als Fantasy-Literatur ganze Genre-Kontinente überschwemmt. Und auch das, was ich zuerst von ihm las, wäre heute wohl in den Augen der Verleger und Leser keiner größeren Aufmerksamkeit wert, denn ich las Bände mit Erzählungen, die bekanntlich heute in Deutschland unverkäuflich sein sollen.

Meine erste Entdeckung war der Band „Aufgeben oder verdoppeln“, es folgte „Das Haus mit den sieben Stockwerken“, danach dann „Die Maschine des Aldo Christofari“ und „Panik in der Scala“, sowie der recht krass gezeichneten Comic „Orphi und Eura“, den ich noch heute in einer Ausgabe, die ich mir beim Buchbinder neu habe binden lassen, besitze; ein echtes Sammlerstück. Buzzati malte und zeichnete übrigens auch selbst, ein wunderbares Beispiel dafür ist „La famosa invasione degli orsi in Sicilia“, ein Buch, das freilich eine Übersetzung ins Deutsche meines Wissens nicht erlebt hat.

Der Maler Buzzati bei der Arbeit
Der Maler Buzzati bei der Arbeit

Seine Romane kamen erst später für mich. So eben „Das Geheimnis des Alten Waldes“, ein Buch, in das ich mich sofort für die Dauer eines Lebens verliebte, dann „Un Amore“, eine Geschichte der erotischen Obsessionen, die Heinrich Manns ‚Professor Unrat‘ recht müde wirken lässt, sowie „Die Tatarenwüste“, ein kafkaesk-philosophischer Roman über die Sinnlosigkeit eines in Hoffnungen und Erwartungen verbrachten Lebens.

Freilich ist das Werk Buzzatis, der auch Theaterstücke und Drehbücher schrieb,  weitaus umfangreicher. Ich kenne im Grunde nur wenig von ihm. Wer des Italienischen mächtig ist, sollte vor allem auch die beiden großartigen Erzählsammlungen „Sessanta racconti“ und „Le notti difficili“, bei Mondadori auch als Taschenbücher erhältlich, auf seine Leseliste setzen.

Ich schrieb das Theaterstück „Das Geheimnis des Alten Waldes“, das in Italien spielt und Buzzatis Roman zur Vorlage hat, übrigens tatsächlich in Italien. In der Casa N. der Gisella G.-K., einem zwar malerischen Anwesen in der nördlichen Toscana, in dem man freilich allerorts über Eimer und Schüsseln stolperte, weil es durchs Dach regnete, es im ganzen Haus dank katastrophaler Heizöfen nach Kerosin stank und man jederzeit darauf gefasst sein musste, von Skorpionen gestochen zu werden, das aber trotzdem einige Zeit hindurch für meine Literatur recht fruchtbar war.

Nun, ich habe mit dem Stück meine Verbeugung vor Buzzati gemacht. Möge er nie vergessen werden. Tatsächlich hat das Stück, als es ursprünglich in Dresden seine Uraufführung erlebte, bewirkt, dass der deutsche Verlag eine Neuauflage des Romans herausbrachte. Das freut mich noch heute.