Back to work: Der Brüderroman atmet auf

Berlin, Montag, 6. Februar 2017 bei Anton Bruckners 4. Sinfonie Es-dur (Orig.),
mit dem Sinfonie-Orchester des Bayrischen Rundfunks unter Eugen Jochum

Am Morgen ungewöhnlich früh auf, da wir schon seit 8 Uhr die Rohrreiniger im Hause hatten. Es ist ganz unsagbar, was für ein Dreck sich in den Abflussrohren ansammeln kann. Und nicht minder unsagbar erscheint mir die Vorstellung, sein Leben an einen solchen Beruf hinzugeben. Wobei ich nicht verschweigen will, dass mir der Handwerker, der da über zwei Stunden immer wieder durchs Haus stieg und die schwarze Brühe in den Abflüssen beseitigte, sehr fröhlich vorkam.

Nachdem ich sinnlos den Januar hindurch und auch schon die erste Woche des Februars auf die abschließende Fahnenkorrektur des Regenromans gewartet habe, bin ich heute zur Abschlussarbeit am Bruder-Roman zurückgekehrt. Laut meinen Aufzeichnungen hatte die handschriftliche Schlusskorrektur des Manuskriptes noch im Dezember 2016 in den Computer übernommen werden sollen. Das erfolgte wegen der Arbeiten am Regenroman nicht, vor allem dann wegen der Cover-Kämpfe, wie ich es mal nennen will. Nun sind auch im neuen Jahr bereits fünf weitere Wochen vergangen, sodass ich nicht mehr warten will und kann.


Das heißt freilich, dass ich von einer Publikation des Regen-Romans bis zur Leipziger Messe nicht mehr ausgehe. Das Buch steht zwar in der Verlagsvorschau als Haupttitel des Frühjahrs, aber das bedeutet nichts.

Ich muss mir dieses Buch nun gänzlich aus dem Kopf tun, denn zehnmal wichtiger als jegliches Verlagschaos ist meine Arbeitsfähigkeit, die ich für andere Projekte benötige. Dies ist auch der Grund, warum ich im letzten BLOG-Beitrag geschrieben habe, dass der Regenroman mein letztes publiziertes Buch bleiben wird. Ich schreibe zwar in den letzten Jahren und auch gegenwärtig noch mit enormer Freude und habe viele weitere Ideen, die ich künftig zu realisieren gedenke, doch eben diese Arbeitsfreude, ja, meine ganze Kraft wird zerstört, wenn ich dann mit den Manuskripten immer wieder die tiefen Schlammgruben der Unfähigkeit seitens der Verlage durchschwimmen muss. Ich werde regelmäßig depressiv, wenn ich mit Verlegern zu tun habe, weil ein Buch druckfertig gemacht werden muss. Das kann und will ich mir künftig nicht mehr antun.

Ich gehe jetzt (zwar langsam) auf mein 70. Jahr zu und habe begriffen, dass ich nur noch eines tun kann, schreiben oder mit den Verlegern kämpfen. Für beides reicht meines Kraft und meine Zeit nicht mehr. Und da der Kampf mit den Verlegern so unsäglich ist wie der mit einer lästigen Krankheit, die sich einem ungefragt angeheftet hat, so habe ich mich jetzt ganz radikal für das ausschließliche Schreiben entschieden. Falls mit den so entstandenen Texten noch etwas geschehen soll und kann, so soll meine Liebste es nach meinem Tode übernehmen. Wobei ich ihr freilich davon abrate, dringlich, denn schließlich hat sie ja für sich selbst ebenfalls einen Kampf um ihre Bücher zu führen. Es ginge über Menschenmaß, wollte sie es für zwei Werke tun.

Gut, soweit dazu. Ich gehe jetzt mit Freude an die Schlussredaktion meines Romans „Nichts weißt du, mein Bruder, von der Nacht“.

Möge Ihr Leben von Leiden frei sein.
Und bleiben Sie heiter, wünscht
Peter Gogolin