Fortschritt am Neuen und Grüße aus der Vergangenheit

Wiesbaden, Samstag 11. November 2017, bei jeder Menge Belle Canto-Arien, gesungen vom Sohn des
Schuhmachers aus Recanati.

Hab einen etwas sentimentalen Tag, was man schon an meiner Musikauswahl erkennen kann. Aber ich liebe nun mal den italienischen Liedgesang, nicht nur die Oper; aber die Grenzen dazwischen sind ja sowieso fließend.

Sehr zufrieden ansonsten, da ich heute, nachdem ich schon in den letzten Tagen an meiner neuen Novelle gearbeitet hatte, erstmals wieder das volle Schreibpensum und mehr als das erreichte. Das Pensum sind immer 800 Wörter, und heute habe ich bei 1000 abgebrochen, um mich nicht für morgen auszupowern.

Da ich während der Arbeit im Netz auch auf Bildersuche ging, um zum Beispiel für meine Hauptfigur ein mögliches Vorbild zu finden, das meiner Imagination etwas beistehen könnte (ich brauchte einen ganz gewissen Gesichtsausdruck eines jungen Mannes, der an Mutwillen grenzt, wozu ich auch ein höchst passendes Bild fand), währenddessen also fand ich ganz überrascht ein früheres Bild von mir selbst. Noch aus Bartträger-Zeiten:

Es trägt einen Copyright-Vermerk der Getty-Foundation, was mich naturgemäß etwas ärgerte, denn weshalb besitzen solche Leute die Rechte an einem Bild von mir? Frechheit.

Und als Legende war dazu vermerkt: Peter H. Gogolin, writer in France in October 1987.

Und ich weiß selbstverständlich beim besten Willen nicht, wann, wo und wer das von mir aufgenommen wurde, noch dazu ‚in france‘. Die einzige mögliche Situation, die mir dazu einfällt, ist der Erste Europäische Schriftsteller-Kongress, der irgendwann in den 80er Jahren stattgefunden hat und wo ich eine Rede hielt. Witziger Weise über den schlechten Zustand der deutschen Literatur. Ich armer Schreiberling wusste damals ja noch nicht, was alles noch auf mich und diese deutsch Literatur zukommen würde.

Ich weiß nicht mehr, wann es war, aber ich traf dort Anthony Burgess und unterhielt mich mit ihm und seiner Frau.

Die Erinnerung spielt einem scheinbar beliebige Streiche, denn ich hatte stets ganz sicher angenommen, dass das erst nach meinem Rom-Jahr in der Villa Massimo gewesen ist, was auch Sinn machen würde, weil danach ja die Wiedervereinigung kam, und ich hatte den Schriftsteller-Kongress immer gedanklich mit der Wiedervereinigung verbunden, zumal wir damals zu einem Essen im Europa-Parlament eingeladen waren, aber es scheint mehrere Jahre davor stattgefunden zu haben.

Und dann, ganz dicht daneben, eine zweite Bild-Fundstelle aus der Vergangenheit. Das Lesebuch nämlich mit meiner Erzählung „Der Faden“, die ich vergessen hatte. Der Band muss zwischen 1981 und 1986 erschienen sein, und ich besitze ihn, meines Wissens, auch nicht mehr in meinem Archiv. Zumal ich nie wieder in einem Band publizieren durfte, der, neben mir, so viele Großköpfe der Weltliteratur versammelt. Da könnten mir fast die Tränen kommen.

Was ich daraus lerne? Nun, dass immer etwas passieren kann, und dass selbst die Vergangenheit reicher ist, als derjenige, der sich im Besitz der Vergangenheit wähnte, es weiß. Doderers Satz, dass alles zugleich trivial und wunderbar sei, trifft hier für mich wieder einmal auf den Punkt zu.

Mal abwarten, was die Zukunft bringt. Außer einer Klage von ‚gettyimages‘ wegen Verletzung ihres Copyrights. Vermutlich gibt es weltweit arbeitende Suchmaschinen, die so etwas finden und verfolgen. Dann werde ich mich selbst löschen müssen. Aber das erzähle ich Ihnen dann.

Bleiben Sie bis dahin glücklich
denken Sie daran, dass man immer gesehen wird.

Ihr PHG