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Sortieren der Bibliothek und Klagenfurt von 1983

Veröffentlicht
Mittwoch, 25. Dezember 2019, bei Bachs Johannes-Passion, Inszenierung Peter Sellars, Dir. Simon Rattle

Nachdem wir gestern lange beim Raclett gesessen hatten, standen wir heute erst gegen zehn auf und frühstückten in einen verregneten Vormittag hinein. Insgesamt stiller, ruhiger Tag. Mittags Papst Franziskus beim Segnen der Stadt und des Erdkreises zugesehen. Die Liebste ging nachmittags in einer Regenpause zur Kapelle in den Weinbergen, ein traditioneller Gang, den wir in früheren Jahren natürlich stets gemeinsam gemacht hatten, nun muss ich ihn ihr allein überlassen.

Später, nach dem Kaffee, verbrachten wir wieder einige Stunden mit dem Überprüfen und Sortieren der Bibliothek; man findet immer etwas, das auszuscheiden ist oder reparaturbedürftig, sodass es für den Buchbinder bereitgelegt werden muss, zudem Dubletten oder falsch gestellte Exemplare, für die dann anderen Orts Platz geschafft werden muss.

Dabei fand sich auch ein Sammelband mit den Texten an, die 1983 in Klagenfurt für den Bachmann-Preis gelesen worden waren. Mein Gott, der Bachmann-Wettbewerb vor 37 Jahren, das kann doch vermutlich weg, oder? Wir waren beide gleich dieser Meinung, blätterten dann doch nochmal darin, fanden das geschwätzig-überheblich Vorwort von Vormweg unerträglich, dann die Fotos der Autoren, die damals so erschreckend jung gewesen waren. Etwa die Hälfte der da lesenden Kollegen kannte ich persönlich und wusste in etwa, was aus ihnen seither geworden war; einige waren seit Jahren tot.

Dann fiel mir auf, dass der Band gar nicht alle Texte enthielt. Gelesen hatten 28 Autoren, der Band, der das dokumentieren sollte, druckte davon kaum die Hälfte. Von den anderen waren zwar Bilder zu finden, doch ihre Texte waren frecherweise fortgelassen. Die Liebste, die zuvor das Foto eines Freundes aus Berlin gesehen und vorgeschlagen hatte, ihm das Buch zu schicken, meinte nun, dann lieber nicht, das frustriert ihn nur. Ich hatte auf ihren Vorschlag hin nachgeschaut und festgestellt, dass die Herausgeber auf den Abdruck seines Textes verzichtet hatten. So haben wir dann nur sein Foto herausgetrennt, als Lesezeichen in eines seiner Bücher gelegt und den Rest des Klagenfurtbandes weggegeben.

Nun, soweit die wenig spektakulären Ereignisse unseres ersten Weihnachtstage. Ach, nicht zu vergessen, dass der Papst uns unsere Sünden vergeben hat. Obwohl, ich glaube, wir hatten gar keine begangen. Aber sicher ist sicher.

Bleiben Sie glücklich
wünscht PHG