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Aufräumen, Nichtstun – was nun?

Dienstag, 23. Juni 2020, bei Beethoven, Brahms und Hindemith unter Klemperer, dem vol.1 der Edition ‚the cologne years‘

Jetzt kommen wohl einige wirklich warme Sommertage, seit dem vergangenen Wochenende saßen wir abends immer noch spät auf der Gartenveranda und genossen es, dass es jetzt so lange hell ist. Dabei werden die Tage ja bereits wieder kürzer.

Wir saßen am Frühstückstisch, als die Liebste mich fragte, was ich heute tun will. Ach, am liebsten gar nichts, habe ich gesagt, vielleicht etwas aufräumen, Rechnungen bezahlen, das habe ich schon länger vor mir her geschoben, und dann wohl was lesen. Kurze Zeit später klingelte der Paketbote, vom Verlag kam per Mail der korrigierte Text meines begleitenden Interviews zum Erzählband „Isoldes Liebhaber“ zur Durchsicht. Und dann fiel der Liebsten ein, dass sie neue Visitenkarten und Adressaufkleber benötigt, für die ich Entwürfe machen soll. Dazu die Erinnerung, dass für den Verlag noch neue Manuskripteinsendungen auf ein Gutachten warten. Gut, und mir ging durch den Kopf, dass ich schon einen Monat hindurch nichts mehr in den BLOG geschrieben habe und auch meine getreue Freundin C. längst Anrecht auf eine Antwort auf ihre letzte Mail hat. Dass ich nachts um eins immer zu müde bin, um meine privaten Aufzeichnungen fortzuführen, davon will ich gar nicht reden.

Das ist die Situation an einem Tag, an dem im Prinzip ’nichts zu tun‘ ist. Und so vergleichsweise luftig schaut es auch nur deshalb aus, weil wir beide in den letzten drei Monaten unentwegt unsere neuen Bücher publikationsreif gemacht haben. Die Manuskripte der „Rettungen“ (430 Seiten) und von „Isoldes Liebhaber“ (320 Seiten) sind nun seit vergangener Woche in Hamburg und werden für den Satz fertiggemacht. Ich habe zudem, da ich schon mal mit meinen Erzählungen befasst war, ein zweites Manuskript mit realistischen Erzählungen grob vorbereitet, das allerdings erst für 2021 vorgesehen ist und jetzt erstmal noch „auf Halde“ liegt, wie wir in den 70ern in Dortmund gesagt hätten – ich stamme ja aus einer Bergarbeiter Familie. Es heißt „Lebensweisen mancher Leute“.

Diese drei Monate weitgehend ungestörter Arbeitszeit an unseren Manuskripten verdanken wir natürlich der Inklusion infolge der Pandemie, was auch heißt, dass sämtliche Arbeit für J. weggefallen ist, sowohl die gesamten 36 Kurse in Mainz, als auch die an der Schauspielschule, sodass die Einnahmen auf Null gefallen sind. Man sieht, kein Vorteil ohne Nachteil, wie meine tote Schwiegermutter in ihrer lebensweisen Art zu sagen pflegte. Meine Reha-Termine beim Physio- und Ergotherapeuten sind ebenfalls ausgefallen. Aber wer will sich über gelähmte Hände, Arme, Beine, Füße beklagen, wenn er dafür die Möglichkeit eines Lungenversagens ausschließen kann.

Gut, damit wäre ich an dem Punkt, wo ich einräumen muss, dass es im letzten Vierteljahr noch andere Dinge in der Welt gegeben hat, als unsere zusammen etwa 750 Seiten Erzählungen. Aber, ehrlich gesagt, es interessiert mich eigentlich nicht so besonders. Und außerdem weiß das ja jeder. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass sie in der Regel restlos alles, was in den Abendnachrichten berichtet wird, schon wissen? Abgesehen von den Lottozahlen vermutlich. Und das sage ich Ihnen, der mal von sich behauptet hat, dass er ein Nachrichten-Nerd sei, den Sie während der Nachrichten auf keinen Fall anrufen dürfen, weil Sie sich sonst einen Feind fürs Leben einhandeln. Alles vorbei. Es gibt keine Nachrichten mehr, die man sehen/hören muss. Dagegen sind die Erzählungen von mir und meiner Liebsten Satz für Satz eine echte Neuigkeit.

Bleiben Sie gesund und glücklich
wünscht Ihr PHG

PS: Ach ja, und Corona, Trump, Bolsonaro, Tönnies und wie die ganzen Krankheiten alle heißen, die gibt es wirklich – kein Bullshit, alles leider echt.