Literatur

Zurück aus der Maskenstadt – die Arbeit geht dem Jahresende zu

Mittwoch, 07. November 2020, bei Vaughan Williams „A Sea Symphony“ unter Mark Elder

„Seine Identität – wie der Schriftsteller
die seine – erwartet der Jude vom Buch.“
Edmond Jabès

Im Moment bettelt Venedig regelrecht um Besucher, noch nie in all den Jahren habe ich die Stadt so regelrecht l e e r gesehen. Mitunter kam ich mir bei meinen Stadtgängen nach der Arbeit vor, als lebte ich bereits nach der großen Katastrophe und irrte mit einigen wenigen Überlebenden durch die Kulissen, die die Erdbewohner von ihrem verhängnisvollen Theaterauftritt zurückgelassen haben. Arno Schmidts „Schwarze Spiegel“ fielen mir ein.

Demnächst, wenn mir etwas Raum bleibt im Geröll der Tage, mal wieder lesen. Das hat der einzige Großmeister der deutschen Literatur im 20. Jahrhundert wahrlich mehr als verdient. Möglich wäre gar, seinem Roman in unserem 21. Jahrhundert ein Gegenstück an die Seite zu stellen. Ich werde mal den Gedanken in mir wachsen lassen.

Bei mir ist erstmal reiner Tisch gemacht, will sagen, nach meinem Erzählband „Isoldes Liebhaber“ ist auch der Bruderroman seit dem Wochenende nun fort zum Verlag, von wo er mir demnächst als erste Fahne zur Korrektur zurückkommen wird. Veröffentlichen werden wir ihn zwar erst sehr spät im Jahr oder gar erst Ende Januar nächsten Jahres, wozu mir die Agentin von der Agentur riet. Das würde passen, vor allem auch für die Einreichung zum Leipziger Buchpreis. Andererseits gibt es einige Leute, die jetzt bereits auf das Buch warten. Alles treue Leser, die den ersten Band meiner Familientrilogie „Herz des Hais“ gelesen haben und seither auf den zweiten Band warten, was „Nichts weißt du, mein Bruder, von der Nacht“ ja sein wird. Gut, das werde ich gemeinsam mit dem Verlag entscheiden. Meines Wissens sind dort mit dem „Hai“ ja Vorbestellscheine für den zweiten Band verschickt worden.

Das ist insofern besonders wichtig, als der Verlag keinen Etat für eine großangelegte Werbung hat. Neulich schrieb Helmut Krausser auf FB, die Reisenden in der Berliner U-Bahn möchten doch in den nächsten Tag auf die Buchwerbung achten. Ich schrieb ihm, um zu fragen, was denn sein Verlag für diese Werbeaktion lockergemacht habe. Er antwortete, es sei schier „unbezahlbar“. Nun gut, unsereiner muss mit weniger auskommen.

Außerdem habe ich mich vor meiner Rückreise auch noch, aus einem glücklichen Gedanken der Liebsten heraus, um mein „Lexikon der imaginären Wesen“ kümmern können, sprich, ich habe wohl mit David Schaldach den richtigen Illustrator für die kleinen Geschichten meines Bestiariums gefunden.

David Schaldach, das große Herz mit dem phantasievollen Pinsel

Er schrieb gestern: „Wichtig ist, die Seele des Textes zu erfassen, deswegen werde ich verschiedene Techniken probieren (Kohlezeichnung, Zeichenfeder & Aquarell. Bleistift. oder nur Zeichenfeder) oder Radierungen, mal sehen. Wie sagte Beckenbauer „schaun wa mal“

Das gefällt mir sehr. Ein offener Geist, der sofort die Möglichkeiten zu sondieren beginnt. Was für seltsam verdruckste Reaktionen habe ich schon von einigen meiner Maler-Freunden bekommen, wenn ich sie fragte, ob sie gemeinsam mit mir ein Buch machen wollen. Da merkt man erst so richtig, wie sehr sich die meisten schon lange auf eine Art Einbahnstraße für ihre Produktion festgelegt haben, die sie für notwendig halten, um künstlerisch so etwas wie eine „Marke“ abzugeben. Das ist natürlich alles Blödsinn. Der große Horst Janssen war da ganz anders, als wir ihn anfragten, ob er unsere „100 Hamburger Gedichte“ illustrieren würde.

Kurz, es läuft also alles ganz wunschgemäß. Jetzt könnte mir bloß noch die Wiederwahl des ‚Foolish King‘ aus den USA die Laune verderben. Aber da sei die Vernunft des Volkes vor.

Bleiben Sie glücklich
wünscht Ihnen Ihr PHG

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