Fast schwebend – Gespräch über den Vater
Jetzt, da die Tage länger werden
Der Mann, der so lange abwesend war
und zuletzt in seinem Schweigen versank
ist nun wirklich fort. An einem kalten,
stürmischen Tag vor einem Jahr mussten
wir ihn unter kahlen Bäumen zurücklassen.
Jetzt, da die Tage wieder länger werden
weiß ich, dass ich ihm verziehen habe.
Aber die Wunde, die keinen Namen hat
braucht lange, um sich zu schließen.
Er hat mir ein Erbe hinterlassen, das
ich nicht will. Wie Pech klebt es seit
Jahrzehnten an meinen goldenen
Fingern. Trotzdem muss ich dankbar sein.
Sein dumpfes Schweigen hat mich begabt
der Wahnsinnigen auf dem Dachboden
zu lauschen, die Schmerzen der Mütter
zu verstehen und verurteilt
ein ewiger Sohn zu bleiben.
Ich arbeite jetzt viel in der Küche
und lerne, meinen Schatten zu lieben.


Peter H. E. Gogolin + Dieter Gogolin: Fast schwebend – Gespräch über den Vater, Poetische Hefte 25 + 26, zwei Bände in deutscher und polnischer Sprache, erschienen in 200 Exemplaren, nummeriert und von den Autoren signiert. Polnische Übersetzung: Maddalena Pęk, 2010, EDITION art-management Hamburg, (vergriffen)