Das Rote + Das Blaue
Wenn dieses Buch im kommenden Frühjahr in Leipzig erscheint, dann wird es gewiss dasjenige von allen meinen Büchern sein, was am längsten gebraucht hat, um zu entstehen – nämlich 26 Jahre vom Beginn der Niederschrift bis zur Veröffentlichung.
Ich begann mit dem Buch im Frühherbst 2001 und brach es nach den ersten fünfzig Seiten ab, ziemlich genau nach 9/11, als in New York der Terroranschlag auf das World Trade Center erfolgt war. Man könnte sagen, dass die Weltereignisse, nach allem, was in dem Jahr bereits für mich geschehen war, Orpheus endgültig den Kopf abgerissen hatten. Und es sollte zehn Jahre dauern, bis dieser Kopf an einer Küste angetrieben wurde, wo er wieder zu singen beginnen konnte.

Das war 2011, als im Frühjahr auf der Leipziger Messe mein Roman „Calvinos Hotel“ erschien. Von dem begonnenen Manuskript zu „Das Rote + Das Blaue“ war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr die Rede; es träumte auf irgendeiner Festplatte den Traum der Einsen und Nullen.
Dabei wäre es vermutlich auch geblieben, wenn mir nicht in diesem Sommer (endlich) bewusst geworden wäre, dass man 2001 versucht hatte, meine Identität zu vernichten. Das ist nun zwar fünfundzwanzig Jahre her und letztlich auch nicht gelungen. Aber es hat doch mein Leben sehr belastet und erschien mir wichtig genug, um es nicht einfach vergessen sein zu lassen.
Also habe ich mich hingesetzt, um das Manuskript wieder aufzunehmen. Von Juni bis August (nicht Juli) habe ich es beendet. Jetzt folgt noch die Tortur der Korrektur, dann geht es an den Verlag.
Bleiben Sie glücklich,
wünscht Ihr PHG
- PS: Bei der abgebildeten Glocke handelt es sich um die Bell of Hope (Glocke der Hoffnung), die im Friedhof der historischen St. Paul’s Chapel in Lower Manhattan, New York City, steht. Sie ist ein Geschenk aus London: Die bronzene Glocke wurde New York City zum ersten Jahrestag der Terroranschläge im September 2002 geschenkt. Ich habe sie im August 2011 fotografiert.


2 Kommentare
Verena Lüthje
Lieber Herr Gogolin,
manchmal geschieht Seltsames.
Es ist Mitternacht vom 14. auf den 15. September 2026. Stunden zuvor fielen mir die von Ihnen vor rund 30 Jahren vorgenommenen Korrekturen meiner Einsendearbeiten zum Schreibkurs der Axel Anderson Akademie in die Hände. Darunter neben vielen sehr hilfreichen Anmerkungen und Korrekturen auch viele Ermunterungen, den einen oder anderen Text weiter auszubauen. Das habe ich mir gerade vorgenomnen, weil ich dabei bin, ein weiteres Buch mit Erzählungen zusammenzustellen. Legte die Arbeiten, die ich zwecks Sichtung über mein Bett verteilt sortiert habe, beiseite, um das Licht auszuschalten. Entgegen meiner Gewohnheit öffne ich noch mein Handy und facebook, und welcher Post erscheint sofort: Der Ihre, dass Sie das „Das Rote + Das Blaue“ gerade fertiggestellt haben. So lese ich, verblüfft von der Koinzidenz, dass es ein langjähriges Vorhaben war, das Sie nun korrigieren werden. Eine Arbeit, die keinem Autor erspart bleibt. Zum Glück!
Wünsche Ihnen in 2027 mit Ihrem Buch einen guten Start und viel Erfolg!
Herzliche Grüße
Verena Lüthje
ehemals 2304988
admin
Liebe Frau Lüthje, das ist wahrhaftig eine interessante Begegnung. Und dass Sie sich nach so langer Zeit noch an unsere gemeinsame Arbeit erinnern, freut mich natürlich.
Ich wünsche Ihnen viele gute Ideen. Bleiben Sie produktiv.
Ganz herzlich, Ihr Peter Gogolin